Schwimmen wo der Muezzin ruft
3 Schwimmer des Ludwigsfelder Schwimmvereins„Delphin 1990“ e.V. schwammen 6,5 km durch den Bosporus
Am Anfang war eine Idee. Diese hatten die MTU Maintenance BB Mitarbeiter Volker Krüger, Mario Werschnick und Jörg Niemeier von DaimlerChrysler Ludwigsfelde. Seit mittlerweile 6 Jahren hat sich beim Ludwigsfelder Schwimmverein eine kleine aber sehr aktive Gruppe von Freiwasserschwimmen gebildet, welche die Sommermonate dazu nutzt den einen oder anderen langen Kanten im freien Gewässer zu schwimmen und im Winter auch schon mal ein Loch ins Eis hackt, um darin zu baden. Zu den langen Kanten zählen das bekannte „Sundschwimmen“ über 2,3 km von Rügen nach Stralsund (ca. 1000 Teilnehmer), das „Fördecrossing“ 3 km durch die Flensburger Förde von Dänemark nach Deutschland (300 Teilnehmer), das „Wismarbuchtschwimmen“ 3,5 km von der Ostseeinsel Poel zum Festland(350 Teilnehmer) und einige andere Langstreckenveranstaltung mehr.
v.l.n.r. Mario Werschnick (Arbeitsvorbereiter im CF34 Team der MTU-BB), Jörg Niemeier (Leiter Rohbau im DC Werk Ludwigsfelde) und Volker Krüger (Supervisor der Arbeitsvorbereitung Repair der MTU-BB)
Irgendwann am Anfang des Jahres 2002 kam dann die Info, es gäbe da noch ein Schwimmen.... in Istanbul.... durch den Bosporus... von Asien nach Europa- und dann war sie geboren die Idee „Bosporusschwimmen“.
Nach intensiven Recherchen im Internet, über das Türkische Fremdenverkehrsamt in Berlin und das Türkische Olympische Komitee nahm das Unternehmen langsam Gestalt an.
Der Bosporus, die durch Istanbul führende Verbindung zwischen Schwarzem Meer und Marmarameer wird auf einer Strecke von 6,5 km von Nord nach Süd der Länge nach durchschwommen. Dabei ist der Start auf der asiatischen Seite Istanbuls und das Ziel auf der europäischen Seite.
Ab Ende April diesen Jahres begann dann eine Zeit des intensiven Freiwassertrainings. Bis zu 3 mal in der Woche wurden Kilometer im Siethener- und Motzener See gemacht.
Krönender Trainingsabschluss war ein 4 km Havelschwimmen in Brandenburg.
Am 11.07.2003 ging es dann mit dem Flieger nach Istanbul. Eine Stadt der Superlative! Nord- Süd Ausdehnung 90 km, geschätzte 18 Millionen Einwohner, 1800 Moscheen und jede Straße der Altstadt ein Stückchen Weltgeschichte.
Der erste Tag gehörte der Kultur (Besichtigung der Suleiman - Moschee mit vielen Interessanten Einblicken in die islamische Welt), Topkapie Palast mit Schätzen und Geschichten wie aus Tausendundeine Nacht und dem großen Istanbuler Basar bei dem ca. 5000 Verkaufstände mit Goldschmuck, Teppichen, T-Shirt‘s und Kunstgewerbe um die Gunst der Käufer buhlen (und jeder Händler lautstarke erklärt, warum gerade sein Goldschmuck, sein Teppich, sein T-Shirt oder sein Kunstgewerbe das beste, billigste und schönste sei).
Der Sonntag (13.07.2003) gehörte dann ganz dem Sport. Treffpunkt war der „Istanbuler Schwimmclub“ direkt am Bosporus gelegen und gleichzeitig Ziel des Schwimmens. Hier trafen sich die rund 300 Starter. Im Starterfeld u.a. 44 Ausländer aus Australien, Bangladesh, Russland, USA und auch noch ein vierter Deutscher. 90 Minuten vor Beginn des Rennens ging es dann mit einem Schiff zum Startpunkt auf der asiatischen Seite, einem Fährhafen. Kurz vor dem Start wurde der Bosporus, eine der meistbefahrensten Wasserstraßen der Welt, von der türkischen Marine komplett gesperrt.
Start zum 6,5-Kilometer-Bosporusschwimmen
Nach dem Startpfiff ging es dann mit einem Sprung von der Kaimauer in‘s Rennen. Der erste direkte Kontakt mit dem Bosporus war sehr angenehm. Warmes Wasser, sehr klar aber leider streckenweise viel Schmutz an der Oberfläche, so dass Volker kurz nach dem Start nur mit Mühe einem leeren 5 Liter Faß Efes-Pils ausweichen konnte. Nach ca. 10-15 Minuten hatte jeder seinen Rhythmus gefunden und das Feld hatte sich auseinandergezogen. Jetzt wo wir diese gigantische Stadt langsam an uns vorüberziehen sahen, war es trotz aller Anstrengungen auch ein Genußschwimmen. Aber sobald eine Windböe über das ca. 1000m breite Gewässer wehte, zeigte der Bosporus das er auch weitaus unangenehmere Seiten haben konnte. 1 km vor dem Ziel hieß es noch einmal alle Kräfte zusammennehmen um einen guten Endspurt hinzulegen und dann hatte uns Europa wieder. Mit viel Jubel und Geschrei wurde jeder ankommende Schwimmer gefeiert und manch einer hatte mächtige Mühe über die aufgestellten Leitern aus dem Bosporus zu klettern.
Wir Ludwigsfelder belegten folgende Platzierungen:
Mario Werschnick:
6. in seiner Wertungsklasse, 42. in der Gesamtwertung in der Zeit von 1:05,51
Volker Krüger:
4 in seiner Wertungsklasse, 60. in der Gesamtwertung in der Zeit von 1:08,34
Jörg Niemeier:
7. in seiner Altersklasse, 73. in der Gesamtwertung in der Zeit von 1:12,48
Zufrieden konnten wir konstatieren das sich das Trainingspensum, der Zeit- und auch der finanzielle Aufwand für dieses Ergebnis gelohnt haben.
Zum Entspannen ging es dann in den Abendstunden noch in den Hamamm, das türkische Dampfbad, und hier zeigten uns die Masseure, dass auch sie ihr Handwerk meisterhaft beherrschten.
Die letzten Tage in Istanbul gehörten dann wieder dem normalen Touristenprogramm; Hagia Sophia, Blaue Moschee, der Endbahnhof des Orientexpress und vieles mehr.
Randvoll mit Eindrücken aus der Megametropole und auch ein bisschen stolz auf das Geleistete traten wir dann den Rückflug nach Berlin an, allerdings nicht ohne vorher vereinbart zu haben, dass dies nicht unser letztes Bosporusschwimmen war.
Joniemei
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